Technische Maßnahmen

Weniger Ammoniak in der Luft leistet einen entscheidenden Beitrag für saubere Atemluft und führt zu weniger Stickstoffdeposition in sensible Ökosystemen. Kostengünstige Maßnahmen zur Reduzierung der Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft existieren und wurden bereits umgesetzt. Eine Vielzahl von Maßnahmen wurde in einer Reihe von Berichten dokumentiert und bewertet. Die Wahl der auf Betriebsebene durchgeführten Maßnahmen hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Der Framework Code der landwirtschaftlichen Praxis der UN Wirtschaftskommission für Europa (UN ECE Task Force on Reactive Nitrogen) beschreibt hilfreiche Techniken sowie Stall- und Lagerungssysteme zur Reduzierung von Ammoniak. Diese lassen sich in sechs Bereiche untergliedern:

  1. Verbesserte Lagerung von Wirtschaftsdünger
  2. Emissionsarme Techniken zur Ausbringung von Wirtschaftsdünger
  3. Ansäuern von Gülle
  4. Strategien zur Fütterung von Nutztieren
  5. Begrenzung der Ammoniakemissionen bei mineralischen N-Düngemitteln
  6. Optimierung des betrieblichen Stickstoffmanagements

 

 

1. Verbesserte Lagerung von Wirtschaftsdünger

Die Ammoniakemissionen aus Gülle können durch eine Verringerung der freiliegenden Oberfläche der Gülle oder anderen flüssigen Wirtschaftsdüngers im Lager reduziert werden. Mögliche Maßnahmen:

  • Abdeckung der Güllegruben und –silos mit einem Dach, einer schwimmenden Abdeckung, mit Schwimmkörpern (Plastik, Stroh oder Rinde) oder durch eine sich natürlich bildende Schwimmdecke
  • Verringerung/Verschmälerung der Güllekanäle
  • Kühlere Außenlager statt Unterflurlagerung von Gülle

Für Festmistlager gilt ebenfalls, dass dieser möglichst trocken und abgedeckt gelagert werden sollte. Eine geringe Oberfläche des Festmiststapels, z.B. durch eine seitliche Wand trägt ebenfalls dazu bei Ammoniakemissionen zu mindern.

2. Emissionsarme Techniken zur Ausbringung von Wirtschaftsdünger

Es ist sehr wichtig, Stickstoffverluste auch beim Düngen auf dem Feld zu minimieren, damit der Ammoniak, der vorher im Stall oder bei der Lagerung an der Verflüchtigung gehindert wurde, nicht hier verloren geht. Emissionsmindernde Ausbringungstechniken bedecken die Gülle direkt beim oder sofort nach der Ausbringung mit Boden oder verringern die freiliegende Oberfläche des Düngers. Zu diesen Techniken gehören:

  • Schleppschlauch- oder Schleppschuhverfahren
  • Injektionsverfahren, z.B. Grubber
  • Unverzügliches Einarbeiten; Es können bis zu 90 Prozent Ammoniakverluste vermieden werden, wenn der Wirtschaftsdünger innerhalb weniger Minuten eingearbeitet wird. Die Emissionsminderung bei einer Einarbeitung innerhalb von 4 Stunden wird lediglich auf bis zu 65 Prozent geschätzt.
  • Verdünnung der Gülle um mindestens 50 Prozent bei niedrigen Temperaturen, z.B. über Bewässerungssysteme

3. Ansäuern von Gülle

Wirtschaftsdünger hat in der Regel einen höheren pH-Wert und ist basisch. Durch Ansäuern der Gülle auf ein neutrales Niveau oder auf einen pH-Wert von 6 wird das Ausgasen von Ammoniak um mindestens 50 Prozent verringert. Dies wird in der konventionellen Landwirtschaft durch Zugabe von Schwefelsäure erreicht. Ein Verfahren zur automatischen Zugabe von Schwefelsäure während der Applikation ist bereits auf dem Markt und wird flächendeckend in Dänemark eingesetzt.

Bei dem Verfahren muss zu jedem Zeitpunkt darauf geachtet werden, jegliches Risiko für Personal, Tiere und Umwelt zu vermeiden. Die Effizienz erhöht sich je eher die Säure zugeführt wird. Ein Ansäuern im Stall wird daher in Deutschland intensiv diskutiert.

4. Strategien zur Fütterung von Nutztieren

Bei Wiederkäuern hängen Proteinüberschüsse und N-Ausscheidung stark von dem Rohprotein-Gehalt der Futtermittel ab. Die Futtermittelzusammensetzung und das Futtermanagement haben somit einen starken Einfluss auf die daraus resultierenden Ammoniakemissionen pro Großvieheinheit bzw. pro Produktionseinheit (z.B. 1 L Milch). Wenn sichergestellt wird, dass die landwirtschaftlichen Nutztiere nicht mit mehr Eiweiß gefüttert werden als für das angestrebte Leistungsniveau erforderlich ist, kann die N-Ausscheidung gesenkt werden. Die Minderung von Emissionen pro Produktionseinheit erfordert eine gute Tierhaltung, damit Futter optimal verwertet werden kann. Tiergenetik, Haltungsbedingungen und Tierbetreuungskenntnisse sind Voraussetzung für eine gute Tiergesundheit.
Bei der Fütterung helfen folgende Methoden um Ammoniakemissionen zu reduzieren.

  • Die Verwendung von proteinarmen Rohstoffen
  • Vermindern der Überschüsse in der Proteinversorgung durch Einhalten der aktuellen Fütterungsempfehlungen
  • Bessere Anpassung der Futterzusammensetzung an den Bedarf des Nutztieres, z.B. entsprechend des Laktationsstadiums, des Alters und Gewichts der Tiere etc.
  • Erhöhung der Lebensleistung der Kuh durch eine höhere Anzahl der Laktationen verringert die Ammoniakemission pro Produktionseinheit Milch

5. Begrenzung der Ammoniakemissionen bei mineralischen N-Düngemitteln


Ammoniakverluste aus Ammoniumnitrat (NH4NO3) liegen in der Regel lediglich im Bereich von 0,5 % bis 5 % des applizierten Gesamt-Stickstoffs. Daher hat Ammoniumnitrat einen Vorteil gegenüber anderen Mineraldüngern. Ammoniumphosphat, Ammoniumsulfat, Harnstoff und Harnstoff-Ammonium-N können viel höhere Verluste und somit Emissionen aufweisen. Nach der novellierten Düngeverordnung muss Harnstoff-Düngern ein Ureasehemmstoff hinzugefügt werden, welcher die Entstehung von Ammoniak verhindert. Alternativ können diese auch unverzüglich eingearbeitet oder injiziert werden. Generell hilft eine an die Düngung anschließende Feldbewässerung, um den Dünger in den Boden „einzuwaschen“ und Stickstoffverluste zu vermeiden.

 

6. Optimierung des betrieblichen Stickstoffmanagements

Auf Boden- und Pflanzenanalysen basierende Düngungsempfehlungen geben Richtwerte zur Beurteilung des Nährstoffbedarfs von Ackerkulturen und Grünland. So kann Überdüngung, welche zu Emissionen führen würde, vermieden werden. Die Hoftor-Bilanz ist die Differenz aller Stickstoffeinträge in den Betrieb (Dünger, Futtermittel, Einstreu, Tiere, sowie N-Fixierung durch Leguminosen und atmosphärischer N-Deposition) abzüglich der gesamten Stickstoffabfuhr in Produkten (Pflanzen, Tiere, Wirtschaftsdünger), welche den Betrieb verlassen. Die Stoffstrom- bzw. Hoftor-Bilanz gilt seit 2018 für alle Betriebe mit mehr als 30 ha Nutzfläche, wenn ihr Tierbesatz über 2,5 GV/ha liegt oder sie mehr als 2.000 Schweinemastplätze haben.

 

 

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